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Gesundheit

Unerklärliche Muskelschmerzen? Das könnte dahinterstecken

Fast jeder Mensch ist schon einmal am Morgen aufgewacht und wurde dabei von unerklärlichen Schmerzen geplagt, deren Quelle er in den Muskeln ortet. Kein Wunder, denn der menschliche Körper besteht unter anderem aus 650 unterschiedlichen Muskeln und da kann es schon mal vorkommen, dass der eine oder andere davon zwickt und zwackt. Auf die leichte Schulter sollten die Beschwerden jedoch nicht genommen werden. Denn die Ursachen dafür reichen von harmlosen Zerrungen und Verspannungen bis zu schwerwiegenden Erkrankungen des Nervensystems oder einzelner Organe.

Aschendorff Medien

650 Muskeln – mal mehr und mal weniger sichtbar – befinden sich im menschlichen Körper. Sie helfen uns meistens dabei, den Alltag zu meistern, manchmal verursachen sie aber auch unerklärliche Schmerzen. Foto: Pixabay.com © pexels CCO Public Domain

Was sind Muskelschmerzen?

Von Muskelschmerzen wird dann gesprochen, wenn von einem der 650 Muskeln im menschlichen Körper ein Schmerz ausgeht. Dieser Schmerz kann sich unterschiedlich anfühlen und wird oftmals als drückend, brennend oder stechend wahrgenommen. Manchmal tritt dieser Schmerz plötzlich und sehr heftig auf, verschwindet aber ebenso schnell wieder. In anderen Fällen bleiben die Schmerzen auch für längere Zeit vorhanden und entwickeln sich somit zu einem chronischen Leiden.

Der medizinische Fachbegriff für Muskelschmerzen lautet Myalgie. Zu den Stellen am Körper, die am meisten davon betroffen sind, gehören vor allem der Rücken, die Schultern und der Nacken. Manchmal bleiben die Schmerzen dabei auf eine bestimmte Stelle begrenzt, in anderen Fällen breiten sie sich auf weitere Regionen im Körper aus.

Warum kommt es zu Muskelschmerzen?

Die Ursachen, die zu Muskelschmerzen führen können, sind sehr vielfältig. In den meisten Fällen entstehen sie jedoch aufgrund von Überanstrengung oder eine Fehlbelastung. Dabei ist den Betroffenen meistens sehr schnell klar, was der Auslöser für die Schmerzen war. Wer beispielsweise am Vortag eine intensive Trainings-Session auf dem Steinhagener Calisthenics-Park absolviert hat, kann mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das Workout schuld an den Beschwerden sein dürfte.

Oftmals treten die Muskelbeschwerden auch als Begleiterscheinungen zu anderen Krankheiten auf. Jeder, der schon einmal von einer heftigen Grippe geplagt war, kennt wohl das schmerzende Gefühl in den Muskeln dabei.

Manchmal können Muskelbeschwerden auch als Nebenwirkung bei der Einnahme eines bestimmten Medikaments auftreten. Beispielsweise bei den sogenannten Statinen, die zur Senkung des LDL-Cholesterins eingenommen werden, berichten laut Ärzteblatt bis zu 30 Prozent der Patienten von auftretenden Myalgien.

In sehr seltenen Fällen können jedoch auch ernsthafte Erkrankungen des Immunsystems, des Skeletts oder des Nervensystems hinter den Muskelschmerzen stecken. Hier wird vor allem zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen Krankheiten unterschieden.

Symptome online überprüfen

Wer des Öfteren von Muskelschmerzen geplagt wird, sollte diese keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Wichtig ist, den Krankheiten frühzeitig auf den Grund zu gehen, um sie in weiterer Folge erfolgreich behandeln zu können. Je früher damit begonnen wird, desto größer sind in der Regel auch die Erfolgsaussichten auf Heilung.

Ein erster Schritt, um den Muskelbeschwerden ein wenig näher auf den Zahn zu fühlen, ist eine entsprechende Online-Analyse der Symptome. Diese kann bequem und in wenigen Schritten auf der Webseite www.itsinyourmuscles.eu durchgeführt werden.

Hier geht es vor allem darum, herauszufinden, ob hinter den Schmerzen eventuell eine proximale Muskelerkrankung stecken könnte. Dabei handelt es sich um eine genetisch bedingte Muskelerkrankung, bei der die ersten Symptome in der Regel erst zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auftreten. Die Symptome ähneln dabei stark jenen von anderen Muskelerkrankungen.

Die Online-Analyse dient vor allem als Vorbereitung auf einen weiterführenden Arzttermin. Der Fragebogen ist wissenschaftlich fundiert und bietet Ärzten über ein nur für sie zugängliches Portal die Möglichkeit, weitere Informationen zu erhalten und eine entsprechende Diagnose zu stellen.

Entzündliche und nicht-entzündliche Muskelkrankheiten

Entzündliche Muskelkrankheiten werden in der Fachsprache als „Myositis“ bezeichnet. Die Ursachen dafür sind entweder bestimmte Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Parasiten oder eine entsprechende Autoimmunerkrankung wie beispielsweise Polymyositis. Dabei handelt es sich um eine seltene muskuläre Erkrankung, die hauptsächlich bei erwachsenen Frauen auftritt und zur Gruppe der Rheuma-Erkrankungen zugeordnet wird.

Oftmals sind die Entzündungen von einer sogenannten „Myasthenie“ – also einer Muskelschwäche – begleitet. Betroffene bemerken das, weil ihre Muskulatur dann sehr schnell ermüdet und nicht mehr ihre volle Kraft entfalten kann.

Die nicht-entzündlichen Muskelkrankheiten sind hingegen oftmals hormon- oder stoffwechselbedingt. Zu den bekanntesten Auslösern zählt unter anderem eine Schilddrüsenunterfunktion.

Einige Erkrankungen, die primär unser zentrales Nervensystem betreffen, sind ebenfalls mit Schmerzen in den Muskeln verbunden. Dazu zählen vor allem Parkinson und Multiple Sklerose (MS), aber auch Kinderlähmung (ALS) oder Durchblutungsstörungen im Gehirn.

Viele Erkrankungen des Skeletts oder der Organe werden von den betroffenen Menschen oftmals als Muskelbeschwerden fehlinterpretiert. Vor allem ein Bandscheibenvorfall, ein Hexenschuss oder Schäden an der Halswirbelsäule können ebenso wie Osteoporose (Knochenschwund) oder Arthrose (Gelenkverschleiß) dazu führen.

Wann sollte bei Muskelbeschwerden der Arzt aufgesucht werden?

Beschwerden wie ein leichter Muskelkater, eine Zerrung oder sogar ein Muskelfaserriss heilen im Normalfall von selbst aus. Wichtig ist, die Muskulatur in solchen Fällen für ein paar Tage zu schonen. Ansonsten kann es zu Vernarbungen kommen, die dauerhafte Funktionseinschränkungen zur Folge haben können.

Der Arzt sollte jedenfalls dann aufgesucht werden, wenn die Ursachen für die Muskelschmerzen unbekannt sind und vor allem, wenn diese bereits über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen auftreten. Zu lange sollte mit dem Arztbesuch jedoch nicht abgewartet werden, da vor allem Verspannungen am Beginn noch sehr einfach zu behandeln sind, bei zu langem Abwarten aber auch chronisch werden können.

Im Rahmen einer Anamnese versucht der Arzt zunächst, den Ursachen ein wenig genauer auf den Grund zu gehen. Verschiedene Untersuchungen helfen in weiterer Folge dabei, den Grund genau herauszufinden. Dazu gehören vor allem eine körperliche Untersuchung, eine Analyse des Blutes, die Messung der elektrischen Muskelaktivität mittels Elektromyografie (EMG), eine Ultraschalluntersuchung sowie für tieferliegende Muskeln eine Computertomographie (CT) und eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Danach kann der Arzt mit einer geeigneten Therapie beginnen. Neben der ursächlichen Behandlung verschreibt er darüber hinaus oftmals entsprechende Medikamente, um die Schmerzen zu lindern.

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