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Urtikaria – die unbekannte Krankheit

Eine Umfrage zeigt: Mehr als 60 Prozent der Menschen wissen nicht, dass Urtikaria (Nesselsucht) eine Hauterkrankung ist. Dabei erkrankt ungefähr jede vierte Person hierzulande zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr mindestens einmal daran. Viele Betroffene leiden stark unter den auffälligen Hautsymptomen, die Schmerzen, Juckreiz und Schamgefühle auslösen.

Aschendorff Medien

Urtikaria gefährdet die körperliche und psychische Gesundheit Foto: Fernando @cferdo

Der Welt-Urtikaria-Tag (UDAY) schärft jedes Jahr am 1. Oktober die Aufmerksamkeit für eine Krankheit, die viele Menschen nicht richtig einordnen können. In verschiedenen Vorträgen informieren Experten über Nesselsucht und die Behandlungsmöglichkeiten, der Aktionstag will zudem zum Austausch zwischen Patienten, Angehörigen, Ärzten und Forschern anregen.

Quaddeln und Schwellungen als Symptome der Haut

Der Name der Krankheit leitet sich vom lateinische Begriff „Urtica“ für die Pflanzengattung Brennnessel ab, weil Urtikaria-Symptome mitunter den Hauterscheinungen ähneln, die nach dem Kontakt mit einer Brennnessel auftreten. Verantwortlich ist eine gesteigerte Aktivität bestimmter Immunzellen, den Mastzellen. Sie schütten den Botenstoff Histamin aus. Die Folge: Blutgefäße weiten sich und werden durchlässiger, Flüssigkeit tritt aus, es kommt zu den für die Erkrankung typischen Quaddeln auf der Haut oder tiefer liegenden Schwellungen. Diese sogenannten Angioödeme können bis zu 72 Stunden anhalten.

Urtikaria ist weit verbreitet, mehr als 800.000 Menschen in Deutschland leiden unter chronischer Nesselsucht. Das Wissen über die Krankheit ist allerdings wenig ausgeprägt: Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey konnten nur 39,2 Prozent der Befragten den Begriff richtig zuordnen. Auffallend mehr Frauen (46,3 Prozent) wussten, was sich hinter einer Urtikaria verbirgt, während fast ein Drittel der männlichen Befragten (32,5 Prozent) falsch lag.

Psychische Folgen bei chronischen Beschwerden

Frauen sind häufiger von Nesselsucht betroffen als Männer. Die Hautsymptome sind meist mit einem heftigen Juckreiz verbunden, der in unvorhersehbaren Schüben wiederkehrt. Für Betroffene bedeutet das oft, dass Schlaf und Konzentration stark beeinträchtigt sind.

Urtikaria löst bei Betroffenen häufig Schamgefühle aus Foto: StockSnap

Private Verabredungen und offizielle Termine einzuhalten, kann zum Problem werden, wenn das Erscheinungsbild der Haut Schamgefühle auslöst. Oft kommt es zu einer Wechselwirkung zwischen der Hauterkrankung und psychischen Problemen: Eine chronische Nesselsucht kann Stress, Depression und sozialen Rückzug auslösen. Einige Betroffene vermeiden Aktivitäten, die mit persönlichen Begegnungen verbunden sind – zum Lebensmittelpunkt werden Anspannung, Scham und Angst.

Urtikaria lässt sich gut behandeln

Um Nesselsucht-Symptome in den Griff zu bekommen, sind Dermatologen die richtigen Ansprechpartner. Die Reaktion der Haut lässt sich in vielen Fällen durch sogenannte Antihistaminika abschwächen. Hautrötungen und -schwellungen sowie Juckreiz können so gelindert werden.

Wenn Antihistaminika nicht ausreichend helfen, werden auch immunsuppressive Medikamente verschrieben. So sind Biologika in der Lage, bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe auszuschalten. Der Ausbruch der typischen Hautreaktion kann dadurch gehemmt oder verhindert werden. Es lohnt sich also, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich nicht von der Krankheit unterkriegen zu lassen.

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