1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Ueberregional
  4. >
  5. Wissenschaft
  6. >
  7. Von Reizdarm bis Morbus Crohn: Das sind mögliche Darmerkrankungen

  8. >

Von Reizdarm bis Morbus Crohn: Das sind mögliche Darmerkrankungen

Schmerzen im Unterbauch, Verstopfung oder Durchfall: Darmerkrankungen gehen mit einer Vielfalt von Symptomen einher. Bis zur Diagnose ist es meist ein langer Weg. Doch welche Darmerkrankungen gibt es überhaupt? Es gibt eine Reihe sehr unterschiedlicher Darmerkrankungen, die mit dem Dick- oder Dünndarm zu tun haben. Aus diesem Grund ist es nicht immer einfach, herauszufinden, um welche Erkrankung konkret es sich bei einem Patienten handelt.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox

Einer finalen Diagnose gehen in der Regel zahlreiche Untersuchungen voraus. Erster Ansprechpartner ist aber immer der Allgemeinarzt. Dieser kann Betroffene bei Bedarf an einen Spezialisten überweisen, den sogenannten Gastroenterologen (Facharzt für Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und der Leber). Grundsätzlich unterscheiden Experten zwischen akuten und chronischen Darmerkrankungen. Die akute Variante kommt meist eher plötzlich und lässt sich final therapieren. Eine chronische Darmerkrankung begleitet den Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg in Schüben — manchmal sogar ein Leben lang.

Reizdarm – eine Darmerkrankung mit ungeklärten Ursachen

Bei Beschwerden wie Durchfall oder Blähungen stehen mehrere Krankheiten im Verdacht. Dazu gehört zum Beispiel auch Reizdarm: Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung inklusive Ernährungsumstellung sind für Patienten, die sich mit dieser Erkrankung beschäftigen müssen, meist überfordernd. Umso wichtiger sind eine umfangreiche Aufklärung sowie Begleitung durch einen Spezialisten. Bei Reizdarm – auch Reizdarmsyndrom oder Colitis irritabile genannt – handelt es sich um eine Funktionsstörung des Verdauungstraktes. Die genauen Ursachen werden weiterhin erforscht. Vermutlich beeinflussen aber Faktoren wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Stress die Entstehung. Typische Symptome von Reizdarm sind Durchfall, Verstopfung, krampfartige Bauchschmerzen und Blähungen. Da es sich hierbei um unspezifische Beschwerden handelt, für die nicht nur das Reizdarmsyndrom in Frage kommt, wird der Gastroenterologe über eine Ausschlussdiagnose versuchen, herauszufinden, ob es sich um eine Colitis irritabile handelt. Bei dieser Methode führt der Arzt verschiedene Tests — wie beispielsweise Blutuntersuchungen, Tests auf Blut im Stuhl, Ultraschalluntersuchungen der Bauchregion oder Darmspiegelungen (Koloskopie) — durch, um Reizdarm auszuschließen. Oder anders gesagt: Kommt keine andere Darmerkrankung mit ähnlichen Symptomen infrage, könnte es eine Colitis irritabile sein. Der Mediziner leitet im nächsten Schritt eine Therapie ein. Reizdarm wird nicht ursächlich behandelt, sondern symptomatisch. Gegen die Beschwerden wie Durchfall oder Verstopfung verschreibt der Arzt meist Medikamente. Mithilfe einer Ernährungsumstellung ermitteln Betroffene sogenannte Trigger, also die Auslöser für eine Reizdarm-Schub. Dabei führen sie ein Ernährungstagebuch, das häufig durch Faktoren wie den weiblichen Zyklus, Infekte oder die psychische Verfassung ergänzt wird. Häufig lassen sich die Auslöser auf diese Weise entlarven. Stehen Stress oder Angststörungen im Verdacht, die Ursache für Reizdarm zu sein, kann unter Umständen eine psychologische Betreuung helfen.

Die Darmentzündung Morbus Crohn

Welche Darmerkrankungen gibt es außerdem? Beispielsweise Morbus Crohn (fachsprachlich Ileitis terminalis). Dabei handelt es sich um eine Darmentzündung – oftmals auch als chronisch entzündliche Darmerkrankung umschrieben. Dabei kann die Schleimhaut des gesamten Verdauungstraktes von der Mundhöhle bis zum After entzündet sein. Häufig ist aber auch nur der letzte Abschnitt — der Dünndarm — betroffen. Die genaue Ursache für die Entstehung von Morbus Crohn ist unbekannt. Wissenschaftler vermuten eine erbliche Veranlagung sowie eine Fehlreaktion des Immunsystems. Außerdem stehen Faktoren wie beispielsweise Nikotinkonsum und psychische Belastung im Verdacht, die Entstehung der Darmentzündung zu begünstigen. Die Symptome von Morbus Crohn variieren und treten in Schüben auf. Als mögliche Beschwerden gelten zum Beispiel Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen, Blähungen oder Appetitlosigkeit. Neben den Symptomen, die direkt den Darm betreffen, ist auch das Auftreten von sogenannten extraintestinalen (nicht den Darm betreffenden) Beschwerden. Dazu zählen beispielsweise Gelenkschmerzen, Veränderungen der Haut, Augenentzündungen oder Nieren- sowie Leberschmerzen. Der Zusammenhang ist noch unklar, wird aber weiterhin erforscht. Da es kein Medikament speziell gegen Morbus Crohn gibt, ist das Ziel der Behandlung, die Verdauungsstörungen zu lindern und die akuten Schübe zu verzögern. Dies gelingt häufig durch die Gabe von Medikamenten wie etwa Kortisonpräparaten, um Entzündungsherde im Darm einzudämmen. Darüber hinaus ist auch hier das Auffinden von Triggerfaktoren mithilfe eines (Ernährungs-)Tagebuchs ratsam. Eine Operation ist meist nur dann notwendig, wenn es zu Komplikationen wie etwa einem Darmdurchbruch oder einem Darmverschluss kommt. Morbus Crohn ist bisher nicht heilbar. Mit den richtigen Therapiemaßnahmen haben Patienten allerdings eine normale Lebenserwartung.

Die Darmerkrankungen Colitis ulcerosa als weitere Darmentzündung

Colitis ulcerosa gehört ebenso zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Anders als bei Morbus Crohn ist bei dieser Krankheit die Schleimhaut des Dickdarms – und nicht die der anderen Abschnitte des Verdauungssystems – entzündet. Es können sich zudem Geschwüre in der Darmschleimhaut bilden. Auch bei Colitis ulcerosa ist die genaue Ursache noch nicht bekannt. Faktoren wie die Ernährung, Infektionen, ein gestörtes Immunsystem, die psychische Gesundheit sowie eine erbliche Veranlagung scheinen aber für die Entstehung eine Rolle zu spielen. Colitis ulcerosa verläuft in Schüben. Das bedeutet, dass sich Krankheitsphasen mit einer beschwerdefreien Zeit abwechseln. Typische Symptome sind beispielsweise blutig-schleimige Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen oder Appetitlosigkeit. Die Behandlung einer Colitis ulcerosa richtet sich nach der Stärke der Entzündung und nach der Ausbreitung. In der Regel kommen Medikamente mit entzündungshemmenden Wirkstoffen zum Einsatz. Darüber hinaus erfolgt häufig die Gabe von Immunsuppressiva, welche die Aktivität des Immunsystems dämpfen sollen. Wenn Arzneimittel nicht mehr helfen, kann eine Operation nötig sein. Dabei wird häufig der gesamte Dickdarm entfernt und aus dem Dünndarm eine Art Ersatz konstruiert. Oft legt der Mediziner vorrübergehend einen künstlichen Darmausgang, um eine möglichst komplikationsarme Abheilung zu unterstützen. Grundsätzlich ist es wichtig, dass Patienten von Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa auf ihre Nährstoffzufuhr achten, um eine Mangelernährung zu vermeiden. Da Betroffene meist stark unter der Krankheit und den veränderten Lebensumständen leiden, macht zudem eine Psychotherapie Sinn.

Welche Darmerkrankungen gibt es noch?

Die Bandbreite an Darmerkrankungen ist groß. Neben den chronischen Krankheiten wie Reizdarm, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gibt es eine Reihe von akuten Varianten. Dazu zählen zum Beispiel Magen-Darm-, Blinddarmentzündung, Darmverschluss (der Darminhalt gerät nicht mehr nach außen) oder eine Divertikulitis (Entzündung der Darmausstülpungen). In jedem Fall sollte bei starken oder anhaltenden Symptomen wie Durchfall, Verstopfung, Schmerzen im Unterbauch oder Blut im Stuhl sofort ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache herauszufinden und eine entsprechende Therapie in die Wege zu leiten.

Startseite