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Was ist eine Hyperhidrose? - Ursachen und Symptome

Etwa ein bis zwei Prozent aller Deutschen leiden an einer sogenannten Hyperhidrose¹, eine Erkrankung, die sich durch übermäßig starkes Schwitzen äußert. Oft sind vor allem Hände oder Füße betroffen, manche Menschen schwitzen aber auch am ganzen Körper. Das kann sehr belastend sein und den Alltag beeinträchtigen. Aber was ist eine Hyperhidrose genau, welche Formen gibt es und welche Ursachen kommen infrage?

Wenn das Schwitzen überhand nimmt, dann hilft auch kein Deo mehr. Foto: colourbox / Aleksandr

Hyperhidrose und ihre Symptome: Mehr als nur schwitzen

Nicht jeder, der schwitzt, leidet an Hyperhidrose. Das Absondern von Flüssigkeit ist eine natürliche und notwendige Funktion des menschlichen Körpers. Zum einen dient es der Körperkühlung, beispielsweise bei hohen Temperaturen oder nach dem Fitnesstraining. Zum anderen können wir bei starken Emotionen (etwa Stress oder Nervosität) ins Schwitzen geraten. Als Schwitzherde gelten vor allem die Handflächen, Fußsohlen oder Achseln, da hier besonders viele Schweißdrüsen eng beieinander liegen.

Wenn diese natürlichen Funktionen krankhaft gesteigert sind, brauchen die Betroffenen aber Hilfe gegen Hyperhidrose.

Generalisierte Hyperhidrose

Bei der generalisierten Hyperhidrose sind die Schweißausbrüche nicht auf einzelne Körperbereiche beschränkt, Patienten schwitzen am gesamten Körper verstärkt. Die übermäßige Schweißbildung ist den Betroffenen oft unangenehm. Sie ziehen sich zurück und meiden vor allem Situationen, in denen sie noch stärker ins Schwitzen kommen – etwa den Besuch in einem Klub voller Menschen oder ein Date an sommerlichen Tagen. So leiden Betroffene einer generalisierten Hyperhidrose oft auch psychisch, bis sie herausfinden, dass ihr starkes Schwitzen behandelbar ist.

Palmare Hyperhidrose

Hat ein Mensch ständig feuchte Hände, schwitzt sonst aber nicht verstärkt, leidet er vermutlich an einer Hyperhidrosis palmaris. Obwohl das Schwitzen in diesem Fall nur einen sehr kleinen Teil des Körpers betrifft, schränkt auch diese Form der Hyperhidrose durch ihre Symptome die Betroffenen mitunter stark ein. Schon Begrüßungen sind für Hyperhidrose-Patienten oftmals eine Herausforderung, da es ihnen unangenehm ist, anderen Menschen die schweißnasse Hand zu geben. In manchen Situationen zieht das Nicht-Händeschütteln unter Umständen noch mehr soziale Probleme nach sich.

Axilläre Hyperhidrose

Im Sommer bildet sich bei vielen Menschen ein nasser Fleck unter den Achseln. Das ist unangenehm, wenn auch kaum vermeidbar. Patienten mit axillärer Hyperhidrose haben aber selbst bei moderaten Temperaturen oft Schweißflecken auf der Kleidung. Die meisten Betroffenen wechseln häufig ihr T-Shirt, damit das Hyperhidrose-Symptom nicht so stark auffällt. Dennoch kreisen die Gedanken vermutlich oft um Fragen wie „Habe ich schon wieder Flecken?“ oder „Riecht man den Schweiß?“, die stark verunsichern können.

Plantare Hyperhidrose

Bei der plantaren Hyperhidrose kommt es zu einer übermäßigen Schweißbildung an den Füßen. Betroffenen haben ständig feuchte oder sogar schweißnasse Socken, ganz zu schweigen von dem oft unangenehmen Geruch, der von den „Schweißfüßen“ ausgeht.

Entsprechend unwohl fühlen sich viele Betroffene in der Öffentlichkeit und haben Angst, dass andere Menschen das Problem sehen – oder noch schlimmer – riechen. Entsprechend gehen sie wie andere Patienten eher auf Abstand zu ihren Mitmenschen.

Was ist die Ursache einer Hyperhidrose?

Der Mensch kann das Schwitzen nicht willentlich beeinflussen. Unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel wenn die Außentemperatur sehr hoch ist, senden Nervenzellen ein Alarmsignal an das Gehirn, die umgehend die Schweißdrüsen aktivieren. Durch das Verdunsten der Flüssigkeit auf der Haut kühlt der Körper ab. Bei Menschen mit Hyperhidrose produzieren die Schweißdrüsen aber oft grundlos übermäßig viel Schweiß. Die Ursache hierfür ist nicht immer klar, manchmal ist eine Hyperhidrose auf andere Erkrankungen zurückzuführen.

Medizinisch werden zwei Formen der Hyperhidrose unterschieden:

·         Für die primäre Hyperhidrose, die nur einzelne Körperpartien betrifft, finden Ärzte oft keine definitive Ursache. Das übermäßige Schwitzen tritt unabhängig von anderen Krankheiten und meist erstmals zu Beginn der Pubertät auf². Als Auslöser wird eine Fehlregulation des vegetativen Nervensystems vermutet. Da oft mehrere Familienmitglieder an Hyperhidrose leiden, scheint auch eine genetische Veranlagung zu bestehen.

·         Mediziner sprechen hingegen von einer sekundären Hyperhidrose, wenn das Schwitzen Folgen oder Begleitsymptom einer anderen Erkrankung ist. Typische Auslöser sind beispielsweise Nervenschädigungen, wie sie etwa als Folge eines Diabetes auftreten können. Ebenso können Erkrankungen des Hormonsystems wie Akromegalie oder einer Schilddrüsenüberfunktion zu einer Hyperhidrose führen. Frauen kann es außerdem in Phasen hormoneller Umbrüche wie Schwangerschaft oder Menopause treffen. Selten stecken auch bösartige Erkrankungen wie der Morbus Hodgkin dahinter. Beginnt das Schwitzen nach Einnahme eines Medikamentes, könnte auch dieses verantwortlich sein. Beispielsweise sind Antidepressiva bekannt dafür, dass sie in einigen Fällen übermäßige Schweißbildung fördern.

Bei einer anhaltenden Hyperhidrose ist es grundsätzlich immer empfehlenswert einen Arzt zur Abklärung aufzusuchen. Er kann mögliche Grunderkrankungen diagnostizieren oder ausschließen und geeignete Therapieoptionen gegen das Schwitzen empfehlen.

[1] Universitätsklinikum Freiburg: Schweißhände, Schweißachseln (Hyperhidrose). URL: https://www.uniklinik-freiburg.de/thoraxchirurgie/krankheitsbilder/hyperhidrose.html (16.09.2021).

[2] Ärzteblatt: Hyperhidrose – Ursachen und Therapie von übermäßigem Schwitzen. URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/63004/Hyperhidrose-Ursachen-und-Therapie-von-uebermaessigem-Schwitzen (16.09.2021).

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