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Zecken: Wie können Sie sich vor der Gefahr schützen?

Sie lauern in Wald, Feld und Wiese: Zecken können vor allem in der warmen Jahreszeit den Spaß am Aufenthalt in der freien Natur verderben. Wir zeigen Ihnen die von Zecken übertragenen Krankheiten, die hierzulande heimischen Arten und hilfreiche Tipps zum Zeckenschutz!

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox

Warum sind Zecken so gefährlich?

Zecken an sich sind nicht gefährlich: Sie besitzen kein Gift, mit dem sie ihrem Wirt schaden und auch der Blutverlust ist für den Menschen kein Problem. Die Gefahr der Zecken liegt stattdessen in der Übertragung von Krankheitserregern. Ist ein Exemplar mit einem Erreger infiziert, kann dieser aus den Speicheldrüsen der Zecke über den Stechapparat in den Körper des Wirts gelangen.

Folgende Krankheiten übertragen Zecken in Deutschland am häufigsten:

  • FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis): Mediziner sprechen auch von einer Zecken-Enzephalitis, also einer durch Zecken verursachten Gehirnentzündung.  Auslöser ist das FSME-Virus.
  • Borreliose: Die Ursache der durch Zecken übertragenen Krankheit sind Bakterien der Gattung Borrelia. Ärzte bezeichnen sie auch als Lyme-Krankheit.

Seltener kommen folgende Erkrankungen vor:

  • Anaplasmose
  • Schildzecken-Rückfallfieber-Borreliose
  • Neoehrlichiose
  • Fleckfieber (Rickettsiose)
  • Babesiose
  • Alpha-Gal-Syndrom
  • Tularämie
  • Krim-Kongo-Fieber

Das Risiko einer Infektion durch Zecken variiert je nach Zeckenart. Während die Auwaldzecke eher Wald- und Haustiere befällt, ist der Gemeine Holzbock gefährlicher für den Menschen.

Welche Zeckenarten gibt es in Deutschland?

Zecken haben acht Beine und zählen damit zu den Spinnentieren, genauer gesagt zur Gruppe der Milben. Der Parasit benötigt das Blut anderer Lebewesen, um sich zu vermehren. Weibliche Zecken hängen dafür bis zu zwei Wochen lang an einer geeigneten Stelle am Körper des Wirts, zum Beispiel an der Achselhöhle oder im Genitalbereich, und saugen das Blut direkt in den Darm.[1] Eine vollgesaugte Zecke kann dadurch bis zu 200-mal so viel wiegen wie eine ungesogene.[2]

Weltweit gibt es über 900 Zeckenarten.[3] Zu den häufigsten in Deutschland vorkommenden zählen:

  • Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus): Er ist für den Großteil der Zeckenstiche in Deutschland verantwortlich und hauptsächlich im Sommer aktiv.
  • Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus): Sie kommt vor allem in der kalten Jahreszeit in Ost- und Südwestdeutschland vor und bevorzugt das Blut von Tieren.
  • Hyalomma-Zecke (Hyalomma marginatum): Die erst kürzlich aus Asien und Afrika eingewanderte Art hat auffällig gestreifte Beine und ist bis zu eineinhalb Zentimeter groß.[4]

Zeckenbiss oder Zeckenstich? Zecken verfügen über ein mit Widerhaken versehenes Stechwerkzeug (Hypostom), mit dem sie ihrem Wirt das Blut aussaugen. Der richtige Begriff ist also Zeckenstich.

Tipps: Wie können Sie sich gegen Zecken schützen?

Zecken können ganz schön beängstigend sein. Auf den Aufenthalt im Freien müssen Sie deshalb aber nicht verzichten. Achten Sie auf die folgenden Tipps, um sich umfassend vor Zecken zu schützen:

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Achten Sie frühzeitig darauf, den Zecken keinen Zugang zu bieten. Tragen Sie lange Kleidung sowie festes Schuhwerk und ziehen Sie die Socken über die Hosenbeine. Helle Stoffe bieten zusätzlichen Zeckenschutz, weil Sie die Tierchen dort besser entdecken können, bevor sie unter die Klamotten krabbeln. Nutzen Sie zusätzlich Antizeckensprays und suchen Sie sich nach jedem Aufenthalt im Freien gründlich nach den Krabbeltieren ab.

Wenn die Zecke bereits zugebissen hat

Entfernen Sie den Parasiten so schnell wie möglich. Dafür eignet sich etwa eine Zeckenpinzette, eine Zeckenkarte oder ein Zeckenlasso. Greifen Sie den Krabbler möglichst nah an der Haut und achten Sie darauf, ihn nicht zu zerquetschen. Drehen Sie die Zecke nicht heraus und verzichten Sie auf einen schnellen Ruck. Stattdessen sollten Sie sie langsam und kontrolliert gerade nach oben ziehen und die Stelle anschließend mit Alkohol oder einer jodhaltigen Salbe desinfizieren.

Beobachten Sie die Einstichstelle

Geht die Rötung nicht zurück oder breitet sich sogar aus, müssen Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Das Gleiche gilt bei grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Gliederschmerzen oder wenn die Haut stark schmerzt, anschwillt oder pocht.

Was tun mit der Zecke?

Zu Ihrer eigenen Sicherheit ist es ratsam, die Zecke nach dem Entfernen zu töten. Zerquetschen Sie sie jedoch nicht mit dem Fingernagel, denn dabei könnten Sie mit Krankheitserregern in Berührung kommen. Werfen Sie die Zecke stattdessen in heißes Wasser oder durchstechen Sie sie mit einer feinen Nadel und entsorgen Sie sie schließlich über die Toilette.

Zeckenschutz durch Impfung

Einen Impfschutz gegen Borreliose gibt es bisher zwar nicht, Sie können sich jedoch gegen FSME impfen lassen. Für die Grundimmunisierung sind drei Pikser nötig: Einer zu Beginn, der zweite nach ein bis drei Monaten und der dritte nach fünf bis zwölf Monaten. [5] Alle drei bis fünf Jahre müssen Sie die Impfung auffrischen lassen.[6]

[1] Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Zeckenstich. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/was-sind-zecken-und-wie-entfernt-man-sie.html (09.02.2021).

[2] Universität Hohenheim: Was sind Zecken? URL: https://www.uni-hohenheim.de/uploads/media/00_Zecken_Wanderausstellung_2009_klein.pdf (09.02.2021).

[3] Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz - Info Gesundheit e.V.: Zecken - wo und wie sie leben. URL: https://www.bgv-zeckenschutz.de/zecken.html (09.02.2021).

[4] Bundesministerium für Bildung und Forschung: Tropische Zecken in Deutschland: Wie groß ist die Gefahr? URL: https://www.bmbf.de/de/tropische-zecken-in-deutschland-wie-gross-ist-die-gefahr-6773.html (09.02.2021).

[5] Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zur FSME-Impfung. URL: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/FSME/FSME-Impfung/FSME-Impfung.html (09.02.2021).

[6] ebd.

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