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Preiserhöhungen um bis zu 5,5 Prozent zum Jahreswechsel – in Westfalen-Lippe vorerst keine Veränderungen

Nahverkehr wird teils deutlich teurer

Berlin/Bielefeld/Paderborn

Nicht nur Sprit und Lebensmittel werden teurer. Viele Menschen in Deutschland müssen demnächst auch für das Bus- und Bahnfahren draufzahlen. Die Preise steigen im Winter nicht nur im Fernverkehr, sondern in zahlreichen Regionen auch im Nahverkehr.

Von Burkhard Fraune und Oliver Horst

Im Nahverkehr müssen Nutzer in vielen Bussen und Bahnen Foto: dpa

Damit werden viele tägliche Wege teils deutlich teurer: Je nach Verkehrsverbund verteuert sich der durchschnittliche Tarif um bis zu 5,5 Prozent. Das geht aus Beschlüssen zur bevorstehenden Preisrunde zum Jahreswechsel hervor. Anderswo wie zum Beispiel auch in Westfalen-Lippe, ändern sich die Preise dagegen vorerst nicht.

In OWL sind gleichwohl verschiedene Neuerungen geplant. Wie berichtet, soll bereits zum 1. Dezember ein neuer eTarif eingeführt werden, bei dem Fahrten mit Hilfe von Handy-Apps nach den Entfernungskilometern abgerechnet werden. Für Sommer 2022 sind beim Padersprinter in Paderborn Vorteile für Käufer von Tickets am Automaten oder Handy vorgesehen – der Fahrkartenkauf beim Busfahrer soll indes deutlich teurer werden. Ziel sei eine Entlastung der Busfahrer und eine höhere Pünktlichkeit.

Derweil steigt in vielen Verkehrsverbünden der Preis zum Jahreswechsel. In Hamburg etwa sollen Nutzer im Schnitt 1,3 Prozent mehr bezahlen. „Das freut niemanden“, bekennt der Verbund. „Bedenkt bitte bei der Diskussion: Alles wird teurer.“ Nur ein Teil der höheren Kosten werde an die Fahrgäste weitergegeben. Den weitaus größeren Teil übernehme die Steuerkasse.

Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, dem einwohnerstärksten in Deutschland, steigen die Tarife um 1,7 Prozent. 1,5 Prozent sind es im benachbarten Rhein-Sieg- und im Rhein-Main-Verkehrsverbund, der große Teile Hessens umfasst. Für Fahrten außerhalb von Verbünden hatte die Deutsche Bahn einen Tarifaufschlag von 1,7 Prozent angekündigt. Im Fernverkehr erhöht sie die Fahrpreise am 12. Dezember im Schnitt um 1,9 Prozent.

Doch nicht überall müssen die Fahrgäste tiefer in die Tasche greifen. Im Nahverkehr von Bremen, seinem niedersächsischen Umland sowie in Berlin und Brandenburg ändert sich nichts. Bremer können sich sogar über die zweite Nullrunde in Folge freuen. Diese Verkehrsverbünde nennen dafür ein Argument, das andere ausdrücklich für Preiserhöhungen nutzen: den Fahrgastrückgang in der Corona-Pandemie. Mit stabilen Preisen wollen sie die Kunden zurück in Busse und Bahnen holen.

Sprit, Strom, neue Angebote – in vielen Regionen sind das indes die wesentlichen Argumente für höhere Preise. Der Einbruch der Fahrgeldeinnahmen im Zuge der Corona-Pandemie bringe die 135 Mitgliedsunternehmen in starke Bedrängnis, hieß es etwa im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg. Dort steigen die Tarife zum ersten Mal seit drei Jahren und in diesem Zuge gleich um 5,5 Prozent im Durchschnitt. Nur in der Stadt Nürnberg selbst sorgen Millionen aus der Stadtkasse dafür, dass die Tarife noch einmal stabil bleiben können.

„Die Mobilitätswende braucht einen leistungsstarken und wirtschaftlich gesunden ÖPNV“, hieß es beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Die Branchenvertretung betonte jedoch: „Die Fahrgeldeinnahmen spielen dabei eine entscheidende Rolle.“ Die Strom-, Diesel- und Personalkosten seien auch während der Pandemie zum Teil deutlich gestiegen. Wie sich die Ticketpreise vor Ort entwickeln, entschieden die Verantwortlichen mit den Kommunen je nach wirtschaftlicher Situation.

Der ökologische Verkehrsclub VCD fordert den Bund auf, Busse und Bahnen „als Rückgrat der Verkehrswende stärker zu unterstützen. Verbraucher dürfen nicht mit höheren Kosten für umweltfreundliche Mobilität allein gelassen werden.“ Zwischen 2000 und 2018 seien die Preise für Benzin und Diesel um 36 Prozent gestiegen, die für Bahn und Bus um 79 Prozent.

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