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Remis gegen Russland: Handballer verpassen vorzeitigen Einzug in die Hauptrunde

Dämpfer für Deutschland

Berlin (WB). Lange Gesichter bei den deutschen Handballern: Mit einem 22:22 (12:10) gegen Russland verpasste die DHB-Auswahl am Montag in Berlin am dritten WM-Spieltag den vorzeitigen Einzug in die Hauptrunde.

Hans Peter Tipp

DHB-Nationalspieler Uwe Gensheimer. Foto: dpa

»Ein verlorener Punkt«, konstatierte der Berliner Paul Drux, dem in der aus deutscher Sicht sehr verkrampft geführten Schlussphase ein folgenschwerer Fehlpass unterlaufen war. Schon heute wollen er und seine Kollegen es wieder besser machen. Gegen Rekordweltmeister Frankreich (20.30 Uhr/ZDF) soll der Sprung in die Hauptrunde nachgeholt werden. »An der Ausgangssituation hat sich nicht geändert. Auch da müssen wir wieder gewinnen«, sagte Drux lächelnd – und wirkte dabei dennoch etwas trotzig.

Sein Missgeschick ermöglichte gestern dem Russen Dmitrii Schitnikow gut 60 Sekunden vor dem Ende der Partie den wichtigen Ausgleich zum 21:21. Damit waren die Russen, die fast immer einem mehr oder weniger großen Rückstand hinterhergelaufen waren, zum ersten Mal seit dem 10:10 in der 26. Minute wieder gleichauf. Zwischenzeitlich hatte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) mit 15:11 (35. Minute) geführt, sieben Minuten vor Schitnikows Ausgleich lag Deutschland immer noch mit 20:17 (52.) vorn.

»Wir haben es in der ersten Halbzeit schon nicht geschafft, uns höher als mit zwei Toren abzusetzen«, urteilte der frühere Lemgoer Profi und heutige Sportliche Leiter des TSV Hannover-Burgdorf, Sven-Sören Chris­tophersen: »Wir haben uns schwer getan, gegen die offensive Abwehr Lösungen zu finden, haben dazu einige gute Chancen liegengelassen und in der Schlussphase ein paar Fehler zu viel gemacht. Das ist schade, weil wir es in der zweiten Halbzeit selbst in der Hand hatten.«

Nach dem 21:21 ließ der Hannoveraner Fabian Böhm 45 Sekunden vor Spielende mit dem 22:21 die mit 13.500 Zuschauern erneut ausverkaufte Arena am Ostbahnhof noch einmal erbeben. Doch die Schlusspointe setzten nicht ganz unverdient die Russen, als Sergei Kossorotow mit dem 22:22 der erneute Ausgleich und der Schlussstand gelang.

»Den Sack nicht zugemacht«

»Heute wird es noch mal ein Stück schwerer als gegen Brasilien«, hatte Ex-Nationalspieler Volker Zerbe vor dem Anpfiff prognostiziert. Der Lemgoer, der seit fünfeinhalb Jahren in Berlin lebt, behielt recht. Der Grund dafür war aber nicht nur, dass die Russen taktisch clever agierten, nie aufsteckten und ihr Torwart Victor Kireew einen Sahnetag erwischt hatte. Es lag auch daran, dass die Deutschen die Wucht, das Tempo und die Präzision vermissen ließen, die zwei Tage zuvor die Gala gegen Brasilien ermöglicht hatten. Immer, wenn es möglich war, daran anzuknüpfen, ging irgendetwas schief. Und prompt waren die Russen wieder da.

Der Blick in die Gesichter nach der Schlusssirene sprach Bände: Hier die enttäuschten Deutschen, da die jubelnden Russen, und auch die ansonsten recht lauten Zuschauer waren urplötzlich ziemlich ruhig. »Es überwiegt die Enttäuschung. Wir haben den Sack nicht zugemacht«, gestand Bundestrainer Christian Prokop nach dem ersten Punktverlust seiner Mannschaft bei dieser WM.

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