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21. Spieltag

Der Ton wird rauer: BVB will Absturz ins Mittelmaß abwenden

Die über Jahre zementierte Stellung des BVB als zweite Kraft im deutschen Fußball hinter dem FC Bayern gerät in Gefahr. Nicht nur der Tabellenstand gibt zu denken. Aus Sorge vor weiteren Rückschlägen verschärft Trainer Terzic die Tonart.

dpa

Trainer Edin Terzic steht mit dem BVB unter Druck. Foto: Frederic Scheidemann

Dortmund (dpa) - Die Führungsspieler außer Form, der Trainer in der Kritik, die Champions League in Gefahr - bei Borussia Dortmund geht die Angst vor einem Absturz ins Mittelmaß um.

Nach dem jüngsten Rückschlag in Freiburg (1:2) redete Fußball-Lehrer Edin Terzic mit seinen Profis Tacheles. «Es war mir wichtig, dass ich einige Dinge loswerde. Das haben wir sehr deutlich getan», verriet er vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Hoffenheim. Mittelfeldspieler Thomas Delaney ist guter Dinge, dass die Aussprache Wirkung zeigt: «Ich glaube, jeder weiß, worum es geht. Jeder weiß, dass wir mindestens die Champions League erreichen müssen.»

Ob der Ernst der Lage wirklich allen Profis bewusst ist, darf jedoch bezweifelt werden. Selbst peinliche Heimschlappen wie gegen Köln (1:2) und Stuttgart (1:5) und der Rauswurf von Trainer Lucien Favre zeigten trotz ähnlicher moralischer Appelle kaum Wirkung. Die stete Unbeständigkeit des Teams führt Delaney auf Verunsicherung zurück: «Es geht zu schnell, dass wir in einem Rückschlag direkt eine Katastrophe sehen. Es fehlt ein wenig die Scheißegal-Mentalität bei einem Rückschlag, weil wir stark genug sind.»

Nach bereits acht Saisonniederlagen und dem Fall auf Rang sechs ist die Geduld der Führungskräfte mit dem Team aufgebraucht. «Wir sind mit der aktuellen Situation nicht zufrieden und haben aus den letzten Spielen zu wenig Punkte geholt. Es liegen zwei Mannschaften und mindestens vier Punkte zwischen uns und einem Champions-League-Platz», klagte Sportdirektor Michael Zorc.

Weil gestandene Profis wie Marco Reus, Julian Brandt, Roman Bürki oder Thomas Meunier seit Wochen schwächeln, mangelt es Talenten wie Giovanni Reyna (18) oder Jude Bellingham (17) an Fixpunkten zur Stabilisierung ihrer Form. Nicht zuletzt deshalb nahm Terzic vor allem die vermeintlichen Leistungsträger in die Pflicht: «Wir fordern von den etablierten Spielern, Verantwortung zu übernehmen und die Dinge wieder in die richtige Bahn zu leiten. Diese Spieler sollen vorweggehen.»

Dass auch die öffentliche Kritik an Terzic zunimmt, passt ins Bild eines wankenden Branchenriesens. Dennoch nimmt die Vereinsführung den Trainer bei jeder Gelegenheit in Schutz. «Es gibt von uns überhaupt keine Kritik an seiner Arbeit», sagte Sebastian Kehl dem «Kicker». Obwohl es unter der Regie des Favre-Nachfolgers in neun Bundesliga-Spielen bereits vier Niederlagen gab, hegt der Lizenzspielerchef keine Zweifel: «Wir sehen jeden Tag, wie Edin Terzic sowohl in fachlicher als auch in emotionaler Hinsicht mit den Spielern arbeitet. Wie akribisch er dabei zu Werke geht und wie klar er Problempunkte offen und ehrlich anspricht.»

Viel spricht dafür, dass der BVB auch in den nächsten Wochen an Terzic festhält. Schließlich mehren sich die Zeichen, dass die Suche nach einem neuen Trainer für die kommende Saison weit fortgeschritten ist. Als Favorit gilt Marco Rose, der beim Ligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach seit Wochen Treueschwüre verweigert.

Ein Sieg gegen Hoffenheim wäre ein erster Schritt, um die Lage zu beruhigen. Nicht auszuschließen, dass Terzic nach seiner Brandrede personelle Konsequenzen zieht, arrivierte Profis wie Reus mit der Reservistenrolle bestraft und stattdessen den erst 16 Jahre alten Youssoufa Moukoko für seinen beherzten Kurzeinsatz in Freiburg mit seinem Startelfdebüt belohnt. «Er hat viel Schwung gebracht und ist definitiv eine Option», kommentierte Terzic vielsagend.

© dpa-infocom, dpa:210211-99-405174/4

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