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Frauenfußball

Primetime im TV und fast volles Haus: DFB-Frauen in Dresden

Dresden (dpa)

Die DFB-Frauen präsentieren sich im ersten Heimspiel nach der EM in Dresden. Auch dort schauen alle genau darauf, wie nachhaltig die in England entfachte Euphorie ist. Beim Nachwuchs tut sich was.

Ulrike John

Die Bundestrainerin der deutschen Fußball-Frauen: Martina Voss-Tecklenburg. Foto: Seskim/dpa

Ein ziemlich volles Stadion, Anstoß zur Primetime, Übertragung in der ARD. Beim Länderspiel gegen Frankreich am Freitag (20.30 Uhr) in Dresden bekommen die deutschen Fußballerinnen das, was sie schon lange gefordert haben.

Der erste Heim-Auftritt der Vize-Europameisterinnen nach dem Turnier in England zeigt: Es bewegt sich was. «Ich glaube, wir können allesamt durch die Bank sagen, dass sich einiges getan hat die letzten Wochen», sagte DFB-Kapitänin Alexandra Popp, die von Druck angesichts der gestiegenen öffentlichen Aufmerksamkeit nichts wissen will: «Es ist eher eine Freude, diesen Hype, die Menschen mitgenommen zu haben, fortsetzen zu können. Da hoffen wir auf Nachhaltigkeit.»

Zuschauerrekorde in der Frauen-Bundesliga

Der Deutsche Fußball-Bund hat für die Neuauflage des EM-Halbfinals, das das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Juli dank zweier Popp-Tore mit 2:1 gegen die Französinnen gewonnen hatte, bisher über 24.500 Tickets für das Rudolf-Harbig-Stadion verkauft. «Es liegt in unserer Hand, die Leute weiter mit unserem Spiel zu begeistern», sagt Abwehrspielerin Kathrin Hendrich vom VfL Wolfsburg.

In der Bundesliga gab es vor 23.200 Fans zum Saisonauftakt beim Spiel Eintracht Frankfurt - FC Bayern München einen Zuschauerrekord. An den ersten beiden Spieltagen kamen insgesamt 47.238 Fans zu den zwölf Partien - mehr als in der gesamten Hinrunde der Vorsaison. Da lag der Schnitt bei gerade mal 811 Zuschauern. Spannend wird, wie viele das Spitzenspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern am 23. Oktober in der großen Volkswagen Arena besuchen und die Champions-League-Spiele der beiden Clubs.

«Die EM-Euphorie konnte mitgenommen werden, das sieht man anhand der Zuschauerzahlen in den Stadien der Liga», sagt Voss-Tecklenburg. «Das sieht man aber auch an den Reaktionen der Fans: Wir sind sichtbar, sie kennen die Namen, sie erkennen die Spielerinnen und das ist eine tolle Entwicklung. Es ist unser Ziel, diese Sichtbarkeit weiter hochzuhalten.»

Die verletzte Bayern-Spielerin Giulia Gwinn hofft nun, «dass einige Spiele in der Champions League in großen Stadien ausgetragen werden können». Mit der WM vom 20. Juli bis 20. August 2023 in Australien und Neuseeland ist das nächste Großereignis nicht weit, auch das hilft mittelfristig dem Verband, die Aufmerksamkeit auf die DFB-Frauen hochzuhalten.

«Viele Anfragen im Jugendbereich»

Mit der Strategie «Frauen im Fußball FF27» hatte der DFB schon vor der EM ein Konzept aufgelegt, um den Sport auf allen Ebene voranzubringen. Nach neuesten Erkenntnissen des Verbandes gab es zuletzt 50.197 Erstregistrierungen bei den Mädchen in den Vereinen, ein Plus von 150 Prozent.

Für so manchen Landesverband ist es noch zu früh, verlässliche Einschätzungen zu treffen. «Im Großraum Frankfurt sind neue Mannschaften dazu gekommen, die die Vereine vor Herausforderungen in der Platzbelegung stellen», sagt jedoch Ute Maß vom hessischen Verband.

Der saarländische SV Elversberg spricht von aktuell sehr vielen Anfragen im Jugendbereich, so Abteilungsleiter Kai Klankert. «Das kann an den deutschen Erfolgen und der Strahlkraft der EM liegen. Es liegt sicherlich auch daran, dass wir als noch junge Frauen-Abteilung, die erst in ihre fünfte Saison geht, schon erstaunliche Erfolge vorweisen können.»

DFB-Bernd Neuendorf schlägt sogar schon Alarm: «Wir registrieren nach der EM einen Zulauf bei Mädchen und Frauen, aber wir können ihn gar nicht auffangen. Wir haben einfach zu wenig Plätze und Kapazitäten, um die Flut an Neuanmeldungen zu bedienen.» Gerade in den Ballungsräumen müssten deshalb Mädchen abgewiesen werden. «Deshalb ist das Thema Infrastruktur ein großes, das wir angehen und mit der Politik besprechen müssen.»

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