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Erfolgreich mit Reichweite

Unabhängig vom Fußball: Zweite Einnahmequelle Social Media

Berlin (dpa) –

Viele Profifußballer aus den oberen Ligen posten auf den sozialen Netzwerken. Aber auch Kicker aus den unteren Klassen sind auf den Social-Media-Kanälen aktiv - und auch erfolgreicher als die Profis.

Von Thomas Flehmer, dpa

Erfreuen sich einer großen Anhängerschaft auf ihren Social-Media-Kanälen: Marcel (l) und Pascal Gurk. Foto: Marcel Kusch/dpa

Spektakuläre Fußball-Tricks auf Tiktok, Familienalltag auf Youtube oder Storys vom Nebenjob auf Instagram – immer mehr Fußballer und auch Schiedsrichter aus den Klassen unterhalb der 3. Liga präsentieren sich und ihr Leben in den sozialen Netzwerken.

«Man merkt, dass Social-Media-Kanäle eine enorme Bedeutung im Sport bekommen haben», sagt Christoph Bertling, stellvertretender Leiter des Instituts für Kommunikation- und Medienforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, «in der Zeit der Pandemie haben diese Kanäle noch einmal an Wichtigkeit zugenommen.»

Breit gefächertes Anbieterfeld

Das Feld der Anbieter ist zwar breit gefächert, hat laut Bertling aber die Gemeinsamkeit, «das Bild, das die Sportler von ihrer Sportart haben, zu vermitteln. Es ist eine Perspektive im Eigeninteresse – es ist eine Art Vermarktung.»

Eine Vermarktung, die sehr schnell Fahrt aufnehmen kann. «Die Million war das große Ziel. Ich dachte, das dauert fünf, sechs, sieben Jahre. Doch dann kam die Million relativ schnell», sagt Pascal Gurk, der für den West-Regionalligisten VfB Homberg die Außenbahn beackert und in der Freizeit kleine Videos von bis zu 15 Sekunden mit seinen Kunststücken am Ball ins Netz stellt, «vier, fünf Monate war die zweite Million da, jetzt stehen wir noch 50.000 vor der dritten Million. Das ist sehr beeindruckend, wenn man überlegt, wie viel Menschen das sind.»

«Tiktok derzeit das Thema»

Mit wir meint der 21-Jährige seinen zwei Jahre älteren Bruder Marcel, zweimaliger deutscher Meister im Freestyle, mit dem Pascal auch schon mal gemeinsam zumeist auf Tiktok auftritt, weil «Tiktok derzeit das Thema» sei. Insgesamt habe aber «Social Media bei jedem Fußballer einen Stellenwert, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Das merkt man daran, wie oft die posten und was sie vom Privatleben preisgeben», sagt Pascal Gurk, der neben Fußball und Tiktok als Selbstständiger bei verschiedenen Firmen im Online-Marketing arbeitet.

Dabei ist für die Brüder das Privatleben tabu. «Unser Content hat immer mit dem Ball zu tun. Was wir privat machen, da sind wir weniger der Fan von», sagt Marcel, der aufgrund seiner teils artistischen Künste mit dem Ball gern für diverse Events gebucht wird – sei es beim Training mit der Nationalmannschaft oder für Werbeaufnahmen.

Doch mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke habe sich auch die Einnahmesituation stark verbessert, sagt der mehrmalige Guinnessbuch-Weltrekordhalter, «so dass man davon ganz normal leben» könne. Zudem hat Marcel Gurk ein Buch herausgebracht, bietet Workshops und Camps an und hat Sport/Event- und Medienmanagement studiert.

Strategische Infrastruktur im Netz

«The Winner takes it all», sagt Bertling in Bezug auf die jeweiligen Geschäftsmodelle, «ganz viele verdienen damit nichts wegen zu geringer Reichweite. Zudem gibt es im Internet eine strategische Infrastruktur. Und da gibt es nur wenige Profis, die diese Infrastruktur bedienen.»

Nader El-Jindaoui zählt auch zu den Gewinnern unter den Fußballern. Der derzeit führende Torschütze der Regionalliga Nordost hat mehr als eine Millionen Follower auf Instagram – etwa doppelt so viele wie Union-Profi Max Kruse - und liegt mit seinem Youtube-Kanal knapp darunter.

Allerdings vollführt der 24-Jährige keine Fußball-Tricks, sondern bildet ein Teil des Lebens mit seiner Frau Louisa auf Youtube ab, was ein einträgliches Geschäft ist. «Ich habe nun weniger Druck, weil ich finanziell nicht mehr abhängig bin vom Fußball», sagte der Stürmer.

Doch nicht nur Fußballer leben öffentlich, auch Güney Artak ist auf Instagram aktiv, wenn auch nicht ganz so erfolgreich. Der Schiedsrichter aus Hannover postet vor allem Etappen seiner Karriere als Kickboxer. Damit ist eine Monetarisierung nicht unbedingt gegeben, doch der 32 Jahre alte Weltmeister im Schwergewicht verschafft sich schon vor den Problemspielen, die der auch «Schlachter» genannte Artak gerne übernimmt, viel Respekt.

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