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Warnung an Real & Co.

Super-League-Zoff: UEFA-Chef bekräftigt Ausschlussdrohung

Das Festhalten einiger Topclubs an den Super-League-Plänen droht das Zerwürfnis mit der UEFA zu verschärfen. Ein Ausschluss aus dem Europacup scheint weiter möglich.

dpa

Erneuerte seine Warnung an Real Madrid und Co.: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Foto: Richard Juilliart

Berlin (dpa) - Im Zoff um die Super League steuern die UEFA und die verbliebenen Abtrünnigen auf eine neue Eskalation zu.

UEFA-Chef Aleksander Ceferin drohte Mitgründern des exklusiven Wettbewerbs, die keinen offiziellen Rückzug vollziehen, mit einem Ausschluss von künftigen Europacup-Wettbewerben. «Wer in Zukunft weiterhin an einer Super-League-Firma beteiligt ist, wird nicht in UEFA-Wettbewerben spielen können», sagte der Präsident der Europäischen Fußball-Union dem Nachrichtenmagazin «Spiegel».

Real Madrids Clubchef Florentino Pérez als Initiator der Super League will wie wohl mindestens drei weitere Mitgründer das Projekt nicht aufgeben und auch die anderen Partner nicht aus ihren Verträgen entlassen. Die UEFA hatte den zwölf Clubs, die in der Nacht zu Montag mit der Veröffentlichung ihrer Super-League-Pläne Fußball-Europa geschockt hatten, zunächst mit harten Strafen gedroht. Bei der Sitzung der UEFA-Exekutive am Freitag wurden jedoch nach dem schnellen Kollaps der Pläne keine Sanktionen ausgesprochen.

Somit dürfte Real Madrid am Dienstag sein Halbfinal-Spiel in der Champions League gegen den FC Chelsea bestreiten. Manchester City, das zunächst ebenfalls zu den Super-League-Clubs gehörte, spielt am Tag danach gegen Paris Saint-Germain. Sollten Real, der FC Barcelona, Juventus Turin und der AC Mailand aber weiter keine öffentliche Abkehr von der Super League vollziehen, warnte Ceferin: «Unsere Wettbewerbe werden auch ohne diese vier Teams fantastisch sein.»

Hintergrund der wütenden Reaktion der UEFA ist, dass die Super League in direkte Konkurrenz zur Champions League getreten wäre. Auch der Weltverband FIFA, etliche nationale Ligen und Verbände sowie viele Fanorganisationen und Spitzenpolitiker hatten das Projekt attackiert. Deutsche Clubs waren nicht unter den Super-League-Gründern.

Nach dem schnellen Rückzug der englischen Clubs um Jürgen Klopps FC Liverpool und Thomas Tuchels FC Chelsea dürfte die Super League wohl vorerst vom Tisch sein. Real-Boss Pérez hält das aber für «komplett falsch». In dem 167-seitigen Vertragswerk haben sich die Beteiligten dem «Spiegel» zufolge für 23 Jahre zur Teilnahme an der Super League verpflichtet. Ein Ausstieg sei frühestens nach drei Jahren und dann nur mit erheblichen finanziellen Strafzahlungen möglich, hieß es. «Es ist klar im Vertrag, dass du nicht gehen kannst», sagte Pèrez.

Der wichtigste Geldgeber für die Pläne, die US-Großbank JP Morgan, ging indes ebenfalls auf Distanz. «Wir haben klar falsch eingeschätzt, wie dieses Geschäft von der breiten Fußballgemeinde beurteilt wird und wie es sie in der Zukunft betreffen könnte. Daraus werden wir lernen», teilte ein Sprecher der Bank in einem Statement mit. JP Morgan hatte zu Wochenbeginn seine Beteiligung an dem Projekt bestätigt und wollte mehrere Milliarden Euro zur Finanzierung des neuen Wettbewerbs zur Verfügung stellen.

UEFA-Chef Ceferin sieht den Kollaps längst als perfekt an. «Jetzt haben sie es einmal versucht und sind gescheitert», sagte er dem «Spiegel». Dies mache für den Dachverband auch die künftigen Verhandlungen über eine gerechtere Geldverteilung leichter. «Wir können jetzt sagen: Ihr wollt egoistisch sein? Dann probiert doch noch mal eure Super League», sagte Ceferin.

Die UEFA hatte im Windschatten des Super-League-Dramas eine Reform der Champions League ab 2024 beschlossen. Mit zusätzlichen 100 Spielen, mehr Absicherung für Top-Clubs, einem Ligensystem statt einer Gruppenphase und noch mehr Geld als die bisherigen zwei Milliarden Euro war diese Umgestaltung auch auf Druck der großen Vereine initiiert worden. Wegen der Aufregung um die Super League trat die zuvor heftige Kritik an der UEFA-Reform aber plötzlich völlig in den Hintergrund.

Nicht nur Nationalspieler Ilkay Gündogan zeigte sich irritiert: «Bei all dem Super-League-Zeug... können wir bitte auch über das neue Champions-League-Format sprechen? Immer mehr und mehr und mehr Spiele, denkt denn niemand mehr an uns Spieler», schrieb der Profi von Manchester City bei Twitter. «Das neue UCL-Format ist im Vergleich zur Super League nur das geringere der beiden Übel.»

Borussia Dortmunds Manager Michael Zorc hält das für Doppelmoral. «Ich habe schon von verschiedenen Spielern und Trainern gehört, dass es zu viele Spiele sind und etwas mehr Zurückhaltung geboten wäre. Dann möchte ich als Verein anmerken, dass ich diese Zurückhaltung gerne auch in den Vertragsgesprächen mit ihren Beratern bemerkt hätte», sagte Zorc am Freitag: «Denn es ist ja kein Geheimnis, dass man das macht, um neue Einnahmequellen zu generieren.»

© dpa-infocom, dpa:210423-99-325953/3

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