Kommentar zu Corona und die Lust am Leben

Unsere Verantwortung

Vietnam meldet eine neue Virus-Variante und in Hamburg feiern 1300 Menschen eine illegale Party – ohne sich dabei sonderlich um die Corona-Regeln zu scheren. Zwar hat das eine nicht unmittelbar mit dem anderen zu tun, mittelbar aber sehr wohl.

Ulrich Windolph 

Nachdem sich am Samstag zahlreiche Menschen in Parks und auf den Straßen im Hamburger Schanzenviertel versammelt hatten, ließ die Polizei das Viertel am Abend geräumt und Geschäfte und Gastronomie eher schließen. ( Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Wer sich stets schwer mit dem Begriff der Globalisierung getan hat, sollte durch die Pandemie eigentlich eines Besseren belehrt sein. Die Welt ist ein Dorf geworden. Und das gilt in jeder Hinsicht – nicht nur mit Blick auf ökologische, ökonomische und sicherheitspolitische Belange, sondern auch, was Gesundheitspolitik angeht.

Folglich ist es nicht damit getan, dass wir die Corona-Krise hier in Deutschland in den Griff bekommen. Selbst eine entspannte Lage auf dem europäischen Kontinent nützt allein wenig. Nicht nur, dass wir von beiden Zielen noch ein gehöriges Stück entfernt sind. Nein, die Corona-Pandemie wird erst beherrschbar sein, wenn die Infektionszahlen weltweit entsprechend gesunken und die Impfquoten entsprechend gestiegen sind.

Was zugleich die Frage aufwirft, ob und wie verantwortungsvoll wir alle mit den neu gewonnenen Freiheiten umgehen und welche Risiken wir in Kauf zu nehmen bereit sind. Damit kein Missverständnis entsteht: Der Hunger nach Leben ist riesig – auch bei mir. Endlich wieder Freunde treffen, endlich mal wieder rausgehen, und vor allem: endlich die eigenen Kinder wieder ihr Leben leben lassen. All das ist verständlich nach 15 Monaten voller Entbehrungen. Doch klar ist auch: Was immer wir tun, wir tun es auf eigene Verantwortung. Wir können die Politik nicht für unser Handeln haftbar machen – mag das auch mittlerweile eine bequeme und leider sehr verbreitete Haltung geworden sein.

Dennoch bleibt es an uns zu unterscheiden, was nur erlaubt und was eben auch sinnvoll erscheint. So ist es ausdrücklich zu begrüßen, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) sich nicht drängen lässt bei der Frage, ob die 12- bis 15-Jährigen nach der Freigabe des Biontech-Impfstoffes durch die Europäische Zulassungsbehörde EMA flächendeckend geimpft werden sollen. Eine solche Entscheidung ist für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, die ohnehin zu den größten Verlierern der Corona-Krise zählen, von enormer persönlicher Bedeutung. Deshalb darf sie keinesfalls beeinflusst von wahltaktischen Erwägungen der Politik sein, noch unter unbotmäßigem Zeitdruck getroffen werden.

Startseite