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Dylan, Springsteen und jetzt Bowie: Immer mehr Musiker setzen auf eine andere Geldquelle

Verkauf von Songrechten boomt

London/Gütersloh

Kurz vor dem 75. Geburtstag von Pop-Ikone David Bowie machten sich dessen Erben ein großes Geschenk: Für umgerechnet rund 220 Millionen Euro – so berichtet das US-Branchenblatt „Variety“ – verkauften sie die Rechte am musikalischen Werk des 2016 gestorbenen Superstars.

Weil die Tonträgerverkäufe weltweit sinken und Konzerttourneen in Pandemie-Zeiten zur Herausforderung werden, suchen Pop- und Rockstars wie David Bowie nach anderen Einnahmemöglichkeiten. Foto: dpa

Sechs Jahrzehnte Bowie-Musik, mehr als 25 Studioalben mit Songklassikern wie „Space Oddity“, „Changes“, „Heroes“ oder „Let‘s Dance“ – sie gehören nun dem US-Musikverlag Warner Chappell Music. Ausgenommen sind laut BMG allerdings die Hits zwischen 1969 und 1978; die Rechte darüber seien beim Bertelsmann-Unternehmen.

Bowie ist der neueste Name in einer langen Liste von Künstlern, deren Songrechte inzwischen bei großen Konzernen und Plattenfirmen liegen. Bob Dylan („Blowin‘ In The Wind“, „Like A Rolling Stone“) überließ sein Werk mit 600 Aufnahmen dem Marktführer Universal. Bruce Springsteen („Born To Run“, „The River“, „Born In The U.S.A.“) trat seinen gesamten Katalog an Sony ab. Auch die Red Hot Chili Peppers, Shakira, Tina Turner und viele kaum weniger namhafte Künstler trennten sich von ihren Songrechten.

Tina Turne bei ihrer Abschiedstournee durch Europa Foto: dpa / Ed Oudenaarden

Einer der größeren Player in dieser Gruppe der Musikverlage ist auch der Gütersloher Bertelsmann-Konzern und dessen Partner bei BMG, der Finanzinvestor KKR. Auch durch Zukauf von Labels vertritt oder besitzt BMG Rechte an den Werken von Künstlerinnen und Künstlern wie Mick Jagger, Keith Richards, John Lennon, Ringo Starr, Mick Fleetwood, Roger Waters, Kurt Cobain, Tina Turner, Blondie, Scorpions, The Kinks, Black Sabbath, Iron Maiden, ZZ top und vielen anderen. Die Music Group ist einer von acht Bertelsmann-Geschäftsbereichen.

Gründe für den Trend bei den Profi-Musikern sind schwindende Einnahmen durch Tonträgerverkäufe, eine Folge des Musikstreamings, und neuerdings die Pandemie, die das lukrative Konzertgeschäft massiv beeinträchtigt. „Ich kann nicht arbeiten“, schrieb Songwriter-Legende David Crosby vor einem Jahr bei Twitter und kündigte an, seine Rechte ebenfalls zu verkaufen. „Streaming hat mein Plattengeld gestohlen... Ich habe eine Familie und eine Hypothek, darum muss ich mich kümmern, also ist es meine einzige Option.“

„Boss“ Bruce Springsteen soll bei dem Verkauf seines Werkes den höchsten Betrag erlöst haben. Foto: dpa / Brad Barket

Sind die Songrechte einmal weg, wird es schwer, sie zurückzubekommen. Aber zumindest kurzfristig gesehen ist der Verkauf ein gutes Geschäft. Die Red Hot Chili Peppers („Californication“) sollen vom britischen Un­ternehmen Hipgnosis umgerechnet rund 125 Millionen Euro kassiert haben. Nobelpreisträger Dylan (80) bekam für sein Werk laut Medienberichten rund 250 Millionen Euro. Bei Springsteen (72) sollen es sogar fast 450 Millionen Euro gewesen sein. Damit ist der „Boss“ Schätzungen zufolge Rekordhalter – nicht schlecht für einen Musiker, der in seinen Liedern gern die Mühen der Arbeiterklasse besingt.

Hipgnosis gilt als einer der Vorreiter der Rechteverwaltung. Schmusesänger Barry Manilow, Altrocker Neil Young und Popstar Shakira gehören zu ihrem Portfolio. Kritik wirkt Hipgnosis entgegen und verspricht, die Musik nur zu den Bedingungen der Künstler zu vermarkten. Mit anderen Worten: Eine Verramschung in Werbespots soll es nicht geben – es sei denn, der Künstler selbst willigt ein.

US-Sängerin Taylor Swift zog vorübergehend ihren gesamten Katalog von allen Streamingplattformen zurück. Foto: dpa / Britta Pedersen

Für jüngere Musiker kann es durchaus sinnvoll sein, diesen Schritt zu gehen, der sich schon bei einem Hit lohnen kann. Im Vergleich zu früheren CD- und Schallplattenverkäufen sind Einnahmen durch Streaming äußerst gering. Das sei unfair, beklagen viele Musiker. US-Superstar Taylor Swift zog vorübergehend ihren gesamten Katalog von allen Streamingplattformen zurück, weil sie das Zahlungsmodell in Frage stellte.

Werbung für Nike: Das gefiel Cartney gar nicht

In den 80er Jahren erwarb Michael Jackson die Rechte am Gesamtkatalog der Beatles für umgerechnet 40 Millionen Euro – sehr zum Ärger von Ex-Beatle Paul McCartney. Der hatte den Kauf allerdings selbst zuvor abgelehnt – zu teuer. Die Freundschaft zwischen „Jacko“ und „Macca“, die zuvor die Duette „The Girl Is Mine“ und „Say Say Say“ aufgenommen hatten, zerbrach, auch weil Jackson Nike die Nutzung des Beatles-Songs „Revolution“ für einen Schuh-Werbespot erlaubt hatte.

Finanziell lohnte sich das Geschäft für den „King of Pop“: Zehn Jahre später verkaufte Michael Jackson die Beatles-Rechte für das Doppelte.

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