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Verleumdungsprozess

Depp gegen Heard - «Sie hat ein Bedürfnis nach Gewalt»

Fairfax (dpa)

Eine Schlammschlacht vor Gericht haben Johnny Depp und Ex-Frau Amber Heard bereits hinter sich. Nach Depps Klage in London gegen die britische «Sun» läuft jetzt in den USA ein Verleumdungsprozess.

Von Barbara Munker, dpa

Johnny Depp wirft seiner Ex-Frau Heard vor, in einem 2018 von der «Washington Post» veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Foto: Jim Watson/AFP Pool/dpa

Scharfe Vorwürfe und sanfte Worte: An zwei Tagen steht Johnny Depp (58) im Gericht des Bezirks Fairfax (Virginia) im Verleumdungsprozess gegen seine Ex-Frau Amber Heard Rede und Antwort.

Zunächst redete der «Fluch der Karibik»-Star über eine schwierige Kindheit und Drogen, über seine Karriere und auch über schöne Erinnerungen an «Miss Heard». Am Mittwoch dann warf er der 35-Jährigen vor, ein «Bedürfnis nach Gewalt» zu haben.

Depp, im grauen Anzug, die Haare zum Pferdeschwanz gebunden, spricht mit ruhiger, nachdenklicher Stimme über die schweren Vorwürfe. Schauspielerin Heard, am Dienstag in heller Bluse und Mittwoch in cremefarbenem Blazer, hört den Aussagen ihres Ex-Mannes aus wenigen Meter Entfernung fast regungslos zu.

Vor sechs Jahren habe Heard «abscheuliche» und «völlig schockierende» Unwahrheiten über ihn verbreitet, beginnt Depp seine Aussage. In ihrer Beziehung hätte es Streit gegeben, räumt der Schauspieler ein. «Aber niemals bin ich an den Punkt gekommen, Miss Heard auf irgendeine Weise zu schlagen, noch habe ich jemals in meinem Leben eine Frau geschlagen», betont Depp unter Eid.

Vielmehr wirft er Heard vor, ihn belästigt zu haben: «Sie hat ein Konfliktbedürfnis. Sie hat ein Bedürfnis nach Gewalt. Es bricht aus dem Nichts hervor», so Depp am Mittwoch. Nach eineinhalb Jahren Beziehung habe sie sich verändert: «Es war nicht mein Mädchen. Sie war mein Gegner geworden.»

Rosenkrieg tobt seit Jahren

In seiner Zivilklage wirft er Heard vor, in einem 2018 von der «Washington Post» veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies hätte seinem Ruf geschadet. Wegen Verleumdung verlangt Depp rund 50 Millionen Dollar (umgerechnet gut 45 Millionen Euro) Schadenersatz. Der bittere Rosenkrieg tobt schon seit Jahren. 2016 hatte Heard nach nur 15 Monaten Ehe die Scheidung eingereicht. Sie warf dem Hollywood-Star häusliche Gewalt vor. Die Zeitschrift «People» berichtete damals über die «toxische Ehe», auf dem Cover ein Foto von Heard mit blutiger Lippe und blauen Flecken, von Depp verursacht, wie sie behauptete.

Dies waren «teuflische» Lügen, sagte Depp am Dienstag. Seine beiden Kinder, damals 14 und 16 Jahre alt, hätten diese Sachen anhören müssen. «Mein Ziel ist die Wahrheit.» Für sich und für seine Kinder wolle er seinen Namen reinwaschen. Er sei davon «besessen», die Wahrheit ans Licht zu bringen. Mit seiner früheren Partnerin, der französischen Schauspielerin Vanessa Paradis, hat Depp die Kinder Lily-Rose (22) und Jack (20).

Für Depp steht viel auf dem Spiel. Im vorigen Jahr hatte er vor Gericht in London mit einer Klage gegen die Boulevardzeitung «Sun» eine Niederlage einstecken müssen. Es ging um einen Artikel, in dem behauptet wurde, Depp habe Heard körperlich misshandelt. Nach einem wochenlangen Prozess mit heftigen Vorwürfen wurde die Klage abgewiesen. Die Mehrheit der in der Zeitung erwähnten Vorwürfe habe sich als wahr erwiesen, hatten die Richter in ihrem Urteil festgestellt. Heard sei «das Opfer anhaltender und mehrfacher Angriffe» gewesen.

In dem Prozess in London hatten sich Depp und seine 23 Jahre jüngere Ex-Ehefrau («Zombieland») mit den bittersten Vorwürfen überzogen. Über Wochen offenbarten sie vor Gericht Details, von denen man lieber nie gehört hätte. Fäkalien auf der Bettdecke, blutgetränkte Nachrichten am Spiegel und eine abgetrennte Fingerkuppe waren nur einige davon.

Elon Musk als Zeuge erwartet

Auch das laufende Verfahren soll mehrere Wochen dauern. Neben Depp und Heard werden andere prominente Zeugen erwartet, darunter Tesla-Chef Elon Musk und die Schauspieler Paul Bettany und James Franco. Seit voriger Woche kamen bereits Assistenten der Schauspieler, ein Arzt, eine Eheberaterin, Depps Schwester und Freunde zu Wort.

Heards Anwalt, Benjamin Rottenborn, versprach Beweise, die Depp als alkohol- und drogensüchtigen Gewalttäter entlarven würden. Der Schauspieler habe auch sexuelle Gewalt angewendet, sagte er zum Auftakt. In dem Prozess werde die Jury «entsetzliche» Schilderungen hören. Heard werde persönlich darüber sprechen.

Doch zunächst hat Depp das Wort. Auf Fragen seiner Anwälte beschrieb er am Dienstag eine schwierige Kindheit in Kentucky mit Angst vor den häufigen Gewaltausbrüchen und Prügel seiner Mutter. Schon als Jugendlicher habe er Drogen probiert, um dieser Realität zu entkommen. Später, nach einer Verletzung bei den Dreharbeiten für «Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten» (2011), sei er jahrelang von Opioid-Schmerzmitteln abhängig gewesen. Heards Darstellung von seinem angeblichen «Drogenmissbrauch» sei aber völlig überzogen, betonte Depp.

Privatleben in der Öffentlichkeit

Der Schauspieler berichtete von seinem ersten Treffen mit Heard für gemeinsame Dreharbeiten zu dem Film «The Rum Diary» (2011) und dem Beginn ihrer Romanze. «Sie war zu gut, um wahr zu sein», sagte Depp. «Sie war aufmerksam, sie war liebevoll, sie war klug, sie war nett, sie war lustig, sie hatte Verständnis. Wir hatten viele Gemeinsamkeiten.». Doch das habe nicht lange angehalten. Heard sei eine andere Person geworden.

Die öffentliche Schlammschlacht vor den Augen der Geschworenen wird auch von Gerichtskameras übertragen. Peinliche Einblicke ins Privatleben rücken damit ins Rampenlicht. Er sei eher scheu und zurückhaltend, sagte Depp am Dienstag. Dieser Prozess sei für alle Beteiligten bedauerlich. Aber er tue «das Richtige», um seinen Ruf wiederherzustellen.

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