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Kommentar

Karliczek fordert Reformen beim Bafög: Warum erst jetzt?

Die Bildungsbiografien junger Menschen sind heutzutage ganz anders als zu den Zeiten ihrer Eltern oder Großeltern. Ein kleinerer Geldbeutel der Eltern sollte dies nicht behindern. Nur eine einzige Ausbildung fördern – das passt nicht mehr.

Von Claudia Kramer-Santel

Die Studierenden mussten während der Coronazeit viele Einschränkungen in Kauf nehmen. Das Studieren im Präsenzmodus war nur die Ausnahme. Foto: Sebastian Gollnow dpa Foto: Sebastian Gollnow

Erst Ausbildung, dann doch noch ein ganz anderes Studium – in der Coronazeit oft auch umgekehrt, weil man nach all dem Online-Lernen endlich mal etwas praxisnahes machen möchte: Die Bildungsbiografien junger Menschen sind ganz anders als zu den Zeiten ihrer Eltern oder Großeltern, die oft ihr Leben lang im gleichen Job bleiben konnten. Das hat nicht zwangsläufig mit individueller Sprunghaftigkeit zu tun, sondern mit der Dynamik des modernen Arbeitslebens, die es gebietet, sich immer wieder neu zu erfinden. Auch noch in späten Jahren.

Ein kleinerer Geldbeutel der Eltern sollte dies nicht behindern. Es ist richtig, dass Bundesbildungsministerin Karliczek das Bafög an diesen Prozess anpassen will. Nur eine einzige Ausbildung fördern – das passt nicht mehr.

Doch warum erst in der nächsten Wahlperiode? Die Zahl der Bafög-Geförderten geht seit Jahren zurück. Etliche Reformen haben daran wenig geändert. Rückzahlungen, viel Bürokratie, unklare Ansprüche: Da bevorzugen viele junge Menschen den Nebenjob. Man sollte in einer Bildungsgesellschaft wie Deutschland mehr für sie tun – und auch abseits der Wahlen dafür kämpfen, dass sie, die viele Einschränkungen in Kauf genommen haben, nicht zum Verlierer der Coronazeit werden.

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