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Kommentar zum Streik bei der Bahn

Weselskys Egotrip

Was aktuell auf Deutschlands Bahnhöfen passiert, ist ein Skandal. Hunderttausenden Menschen wird durch einen unnötigen Arbeitskampf der Weg zur Arbeit und in den Urlaub erschwert, wenn nicht in Einzelfällen gar unmöglich gemacht.

Von Jürgen Stilling

Der Bahnverkehr ruhte wegen des Streiks in weiten Teilen Deutschlands. Foto: dpa

Um es deutlich zu sagen: Niemand will Arbeitnehmern das Recht nehmen, für bessere Arbeitsbedingungen und Gehälter zu streiken. Auch Lokführer und andere Bahn-Beschäftigte haben selbstverständlich dieses Recht. Doch im aktuellen Fall werden die Streikenden von GDL-Chef Claus Weselsky geschickt instrumentalisiert, um die Macht des Gewerkschaftschefs zu festigen oder gar auszubauen. Weselsky, der sich schon 2014 und 2015 mit unverhältnismäßigen Streiks quasi als „Held der Arbeit“ in die mediale Öffentlichkeit gedrängt hatte, kämpft nun gegen seine Bedeutungsverlust an.

Mit der im April begonnenen Umsetzung des Tarifeinheitsgesetzes bei der Bahn dürfte die GDL massiv an Einfluss verlieren. Daher will Weselsky nun offenbar mit einer Politik der Härte Mitglieder der Konkurrenzgewerkschaft EVG abwerben – und das auf dem Rücken der Bahnfahrer. Dabei wäre die Tarifauseinandersetzung an sich kurzfristig am Verhandlungstisch zu lösen.

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