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«Hochemotionales Thema»

Die Nachfolge im eigenen Betrieb regeln

Hamburg/Köln (dpa/tmn)

Einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin fürs eigene Unternehmen zu finden, kann herausfordernd sein. Egal, ob man an die Familie oder an extern abgibt - man sollte den Prozess nicht zu spät beginnen.

Von Sabine Meuter, dpa

Wer tritt in meine Fußstapfen? Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist das eine schwierige Entscheidung. Foto: Joseffson/Westend61/dpa-tmn

Es ist nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit und Herzblut, das Unternehmerinnen und Unternehmen in ihr Geschäft investieren. Das auf- und in neue Hände zu übergeben, fällt vielen gar nicht so leicht.

Idealerweise sollte der Nachfolger oder die Nachfolgerin jemand aus dem familiären Umfeld sein, findet Carola Jungwirth, Beraterin und Coach für Familienunternehmen in Hamburg. Einer der Vorteile: Mit einer solchen Nachfolge-Regelung bleibt das Familienvermögen erhalten.

Damit der Wechsel des Stabs an die jüngere Generation in der Familie gelingt, müsse die Lösung aber von allen Beteiligten wirklich gewollt sein. Die abgebende Generation müsse bereit sein, auch tatsächlich zurückzutreten, die folgende Generation «machen lassen» und deren Entscheidungen akzeptieren.

Familiennachfolge ist hochemotionales Thema

Dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer eine familieninterne Nachfolgeregelung bevorzugen, weiß auch Alexander Hoeckle von der IHK Köln. Oft hätten etwa die Kinder eines Firmenchefs den Betrieb über Jahre kennengelernt, sich umfassend weitergebildet und auch Erfahrungen in einem befreundeten Betrieb gesammelt.

Nun sollen sie die Nachfolgeschaft im elterlichen Unternehmen antreten. Aus Sicht von Hoeckle ein «hochemotionales Thema». Oft, aber nicht immer, klappt es, dass Firmeninhaberinnen oder Inhaber an ihre Kinder abgeben können.

Fünf Jahre vor Rückzug umsehen

Wenn eine familieninterne Nachfolge nicht zustande kommt, bleibt als Ausweg nur eine externe Suche. «Damit das gelingt, sollte man nichts unter Zeitdruck machen, sondern sich etwa fünf Jahre, bevor man sich zurückziehen möchte, umschauen», rät Hoeckle.

Eine Option: Fachlich versierte Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter im eigenen Betrieb ansprechen und ihr Interesse ausloten. Vorteilhaft ist, dass sie mit allen Belangen rund um das Unternehmen vertraut sind. «Aber leider scheitert es oft daran, dass Mitarbeiter nicht genug Kapital haben, um die Nachfolgeschaft anzutreten», so Hoeckle.

Börsen zur Unternehmensnachfolge im Netz

Dann kann es sich lohnen, mit der Hausbank, mit der Steuerberaterin oder mit dem Wirtschaftsprüfer zu sprechen und zu fragen, ob er oder sie nicht einen geeigneten Nachfolger kennt. Hilfreich kann auch sein, Zulieferer oder befreundete Mitbewerber anzusprechen.

Im Internet gibt es zudem verschiedene Börsen, über die Firmeninhaberinnen und Firmeninhaber und an einer Nachfolge Interessierte sich finden können. Eine Übersicht zu verschiedenen Börsen bietet beispielsweise die Informationsplattform «Nachfolge-in-Deutschland.de».

Geschäftsdaten nicht leichtfertig preisgeben

Ob eine Kandidatin oder ein Kandidat nun die oder der «Richtige» ist, lässt sich letztendlich nur über Gespräche herausfinden, sagt Hoeckle. Stimmen die fachlichen und persönlichen Voraussetzungen ebenso wie die Chemie zwischen beiden Seiten, geht es darum, Interessenten tiefer in die Materie einzuführen, sprich: Geschäftsdaten preiszugeben.

«Dafür ist es wichtig, dass Interessenten eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnen», sagt Hoeckle. In dem Dokument sollten für den Fall der Nichtbeachtung der Vertraulichkeit ein Strafgeld und Schadenersatzzahlungen vermerkt sein.

Betriebswert realistisch ermitteln

Ebenfalls wichtig: Bei der Unternehmensnachfolge sollte die Verkaufsseite frühzeitig einen Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater sowie einen Rechtsanwalt ins Boot holen. Diese Fachleute können im Fall eines Verkaufs etwa dabei helfen, den Wert des Betriebs zu ermitteln. «Das Problem ist, dass Unternehmerinnen und Unternehmer den Wert oft höher einschätzen als er tatsächlich ist», so Hoeckle.

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